Deutscher Sportwettenverband warnt vor Fehlentwicklungen


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Sportwettenmarkt stabilisiert sich auf Vor-Corona-Niveau


· Schwarzmarkt nimmt überhand: Hunderte Webseiten ohne Erlaubnis buhlen um deutsche Spieler


· Behörden müssen in Deutschland regulierte Angebote besser schützen und Schwarzmarkt energischer bekämpfen

Berlin. Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) stellt im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz die aktuellen Entwicklungen des deutschen Sportwettenmarktes dar und warnt vor Fehlentwicklungen durch einen enormen Schwarzmarkt und problematische regulatorische Weichenstellungen:

Nach einem durch Corona gebeutelten Jahr 2020 mit Umsatzrückgängen von etwa 21 Prozent hat sich der Markt 2021 wieder auf Vor-Corona-Niveau stabilisiert: Mit rund 9,4 Milliarden Euro Spieleinsätzen und 470 Millionen Euro gezahlter Sportwettsteuer im Jahr 2021 liegen die Zahlen in etwa auf Höhe des Jahres 2019.

“Die Sportwette ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wir sind daher froh, dass der Glücksspielstaatsvertrag im letzten Jahr die bisherige strikte Verbotspolitik im Glücksspielwesen gelockert hat, die sich im digitalen Zeitalter als ineffektiv erwiesen hat. Doch wer Anbietern unter strengen Rahmenbedingungen eine Erlaubnis erteilt, muss auch gegen die Anbieter vorgehen, die ohne Erlaubnis Sportwetten anbieten – und davon gibt es viele. Es herrscht ein eklatantes Vollzugsdefizit vor!”, so DSWV-Präsident Mathias Dahms.

Der DSWV hat im Februar 2022 in einer Marktstudie 507 Online-Glücksspielseiten analysiert. Insgesamt 405 dieser Seiten ermöglichen es Kunden aus Deutschland ein Spielerkonto zu eröffnen. Wiederum 297 Seiten sind auf deutsch abrufbar und mindestens 240 Seiten boten auch Sportwetten an.

Für Luka Andric, Hauptgeschäftsführer des DSWV, handelt es sich dabei aber nur um die Spitze des Eisbergs:

“Nur 36 Anbieter verfügen über eine bundesweite Erlaubnis, um diese Spiele im Netz zu veranstalten. Auf jeden legalen Anbieter kommt ein Vielfaches an Anbietern ohne Erlaubnis. Inzwischen gibt es zudem zahlreiche weitere Websites, die sich jeder Kontrolle, Regulierung und Besteuerung entziehen. Es droht ein substantieller Teil der Spieleinsätze deutscher Kunden zu nicht erlaubten Schwarzmarktanbietern abzuwandern”.

Besonders im Hinblick auf die WM 2022 ist dies mit Besorgnis zu sehen. Mehr als 11 Euro wird nach Schätzungen des DSWV jeder Erwachsene in Deutschland im Schnitt an Wetteinsätzen während des Turniers setzen.

DSWV-Präsident Mathias Dahms fordert die Politik auf, die Kanalisierung mit Blick auf die WM sicherzustellen:

“Spätestens zum Auftakt der Fußball-WM sollten die Glücksspielaufsichtsbehörden sichergestellt haben, dass Sportwettenanbieter ohne deutsche Erlaubnis hierzulande weder aktiv sein, noch für ihre Produkte werben dürfen. Wenn das gelingt, ließen sich während des Turniers schätzungsweise 40 – 50 Millionen Euro zusätzliche Sportwettsteuer einnehmen. Wir fänden es gut, wenn die Länder diese Summe dem Breitensport zu Gute kommen ließen.”

Zugleich warnt Dahms davor, die Gefahr von illegalen Angebote zu unterschätzen:

“Wenn die Kanalisierung der Spieler zu legalen Angeboten in Zukunft nicht besser funktioniert, droht neben dem Verlust der Steuereinnahmen auch eine dauerhafte Abwanderung der Spieler an den Schwarzmarkt. Verbraucher- und Jugendschutz finden dort nicht statt.”

Der Handlungsdruck wird durch eine exklusive Umfrage* von YouGov im Auftrag vom DSWV und dem Deutschen Online Casinoverband (DOCV) unter Kunden von Online-Glücksspielen untermauert: Bei der Frage, welche Kriterien für die Auswahl eines Angebots entscheidend seien, liegt das Vorhandensein einer deutschen Erlaubnis des Anbieters nur auf Platz 8 – weit abgeschlagen hinter Faktoren wie attraktiven Wettquoten und hohen Boni.

Für Mathias Dahms kann eine effektive Kanalisierung der Spieler in den erlaubten Markt nur unter Berücksichtigung zweier Punkte gelingen:

“Auf der einen Seite müssen die deutschen Behörden den Schwarzmarkt durch einen effektiven Vollzug endlich unter Kontrolle bringen. Auf der anderen Seite müssen sich die Behörden im Umgang mit den erlaubten Anbietern pragmatisch zeigen und diesen ermöglichen mit attraktiven Angeboten dem illegalen Wettbewerb etwas entgegenzusetzen. Harte Produkteinschränkungen im zulässigen Wettprogramm und Werbeverbote sind absolut kontraproduktiv und treiben die Spieler in die Arme der Schwarzmarktanbieter. Den erlaubten Anbietern, die die höchsten Standards beim Spieler- und Jugendschutz vorweisen, muss eine freiere Hand gelassen werden. Die Behörden sollten uns bei dem Ziel, einen sicheren, fairen und attraktiven Online-Glücksspielmarkt in Deutschland zu schaffen, als Partner begreifen”.

*Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 520 Personen zwischen dem 11. und 17.02.2022 teilnahmen, die innerhalb der letzten 6 Monate Online-Sportwetten und / oder Online-Casino genutzt haben.